Baqleh – wenn aus „Unkraut“ ein Stück Heimat wird

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Frische Baqleh mit fleischigen grünen Blättern

Baqleh – wenn aus „Unkraut“ ein Stück Heimat wird 

Vielleicht hast du diese kleine Pflanze schon einmal in Deutschland gesehen: im Garten, zwischen anderen Pflanzen oder sogar am Wegesrand. Ihre fleischigen grünen Blätter wachsen dicht an rötlichen Stängeln und werden schnell übersehen.

Für viele Menschen ist sie lediglich ein unscheinbares Wildkraut oder sogar Unkraut.

Für uns heißt sie Baqleh – بقلة.

Auf Deutsch wird sie Portulak genannt. Ihr botanischer Name lautet Portulaca oleracea. In der syrischen Küche ist Baqleh keine störende Gartenpflanze, sondern eine vertraute Zutat, die seit Generationen gegessen wird.

Ihr leicht säuerlicher, frischer Geschmack erinnert an sommerliche Salate, gemeinsame Mahlzeiten und die Küche unserer Kindheit. So wird aus einer kleinen Pflanze manchmal ein Stück Heimat.

Was ist Baqleh beziehungsweise Portulak?

Portulak ist ein essbares Wild- und Küchenkraut. Charakteristisch sind seine kleinen, glatten und fleischigen Blätter sowie die häufig rötlich gefärbten Stängel.

Die Pflanze bevorzugt warme Standorte und wächst relativ bodennah. Sie kommt in Gärten, auf Feldern und teilweise auch an Wegrändern vor. Weil sie sich schnell ausbreiten kann, wird sie in Deutschland häufig als Unkraut betrachtet und entfernt.

In verschiedenen Ländern des Nahen Ostens und des Mittelmeerraumes wird Portulak dagegen bewusst als Gemüse angebaut und in der Küche verwendet. Junge Blätter und zarte Stängel können roh in Salaten gegessen oder in warmen Gerichten verarbeitet werden.

Geschmacklich ist Baqleh:

  • frisch
  • leicht säuerlich
  • angenehm saftig
  • etwas knackig
  • mild würzig

Diese Eigenschaften machen sie zu einer schönen Ergänzung für sommerliche Salate.

Eine kleine Pflanze mit interessanten Inhaltsstoffen

Portulak besteht zu einem großen Teil aus Wasser und liefert verschiedene Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Seine genaue Zusammensetzung kann abhängig von Sorte, Boden, Erntezeitpunkt und Anbauweise variieren.

Besonders interessant ist sein Gehalt an Alpha-Linolensäure, kurz ALA. Dabei handelt es sich um eine essenzielle pflanzliche Omega-3-Fettsäure. Essenziell bedeutet, dass der Körper sie nicht selbst herstellen kann und über die Ernährung aufnehmen muss.

Wissenschaftliche Untersuchungen beschreiben Portulak als pflanzliche Quelle für ALA und verschiedene antioxidativ wirkende Pflanzenstoffe. Einen Überblick bietet unter anderem eine wissenschaftliche Untersuchung zu Nährstoffen und Omega-3-Fettsäuren in Portulak.

Trotzdem sollte Portulak nicht mit fettreichem Fisch oder einem DHA-Präparat gleichgesetzt werden. ALA kann im Körper nur in begrenztem Umfang in die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA umgewandelt werden.

Baqleh ist deshalb ein interessantes Gemüse innerhalb einer abwechslungsreichen Ernährung – aber kein Ersatz für alle anderen Omega-3-Quellen.

Was sagt die Forschung über Portulak?

Portulak wurde nicht nur als Lebensmittel, sondern auch hinsichtlich seiner Pflanzenstoffe wissenschaftlich untersucht. Forschungsarbeiten beschreiben unter anderem Flavonoide, Alkaloide, Fettsäuren und weitere bioaktive Substanzen.

In Labor-, Tier- und teilweise auch Humanstudien wurden mögliche antioxidative, entzündungsbezogene und stoffwechselbezogene Eigenschaften untersucht. Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit fasst zahlreiche dieser Inhaltsstoffe und traditionellen Verwendungsweisen zusammen. Sie macht zugleich deutlich, dass weitere Forschung erforderlich ist. Zur wissenschaftlichen Übersichtsarbeit über Portulak.

Die bisherigen Ergebnisse bedeuten daher nicht, dass der Verzehr von Baqleh Krankheiten behandeln oder verhindern kann. Viele Erkenntnisse stammen aus Untersuchungen mit Pflanzenextrakten, die nicht direkt mit einer normalen Portion Portulaksalat vergleichbar sind.

Portulak sollte als Lebensmittel betrachtet werden – nicht als Heilmittel oder Ersatz für eine medizinische Behandlung.

Was hat Baqleh mit Ernährung in der Schwangerschaft zu tun? 

Während der Schwangerschaft wird eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung empfohlen. Unterschiedliche Lebensmittel liefern unterschiedliche Vitamine, Mineralstoffe, Fettsäuren, Proteine und Ballaststoffe.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Gemüse und Obst
  • Vollkornprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse und Samen
  • hochwertige pflanzliche Öle
  • Milchprodukte oder geeignete Alternativen
  • Eier
  • geeignete Fischsorten
  • abhängig von der Ernährungsweise Fleisch

Portulak kann diese Vielfalt als frisches Blattgemüse ergänzen. Er ist jedoch kein „Superfood“, das allein eine gesunde Schwangerschaft garantiert oder den Bedarf an wichtigen Nährstoffen vollständig deckt.

Gerade während der Schwangerschaft gilt: Nicht ein einzelnes Lebensmittel entscheidet über die Qualität der Ernährung, sondern die gesamte Lebensmittelauswahl über einen längeren Zeitraum.

So kommt Baqleh bei uns auf den Teller 

In der syrischen Küche wird Baqleh gerne frisch als Salat gegessen. Manchmal wird sie auch gemeinsam mit anderen Zutaten gekocht.

Besonders gut passt sie zu Fattoush – فتوش, einem bekannten levantinischen Brotsalat. Die saftigen Portulakblätter harmonieren wunderbar mit Tomaten, Gurken, frischen Kräutern, Granatapfelkonzentrat und knusprigem Brot.

Das Schöne an Fattoush ist, dass jede Familie ihr eigenes Rezept hat. Manche verwenden mehr Minze, andere mehr Zitronensaft oder Granatapfelkonzentrat. Auch die Zusammenstellung des Gemüses kann je nach Saison und persönlichem Geschmack variieren.

Rezept: Fattoush mit Baqleh

Zutaten für den Salat

  • frische Baqleh beziehungsweise Portulak

    Fattoush mit Baqleh, Tomaten, Kräutern und Weißkäse

    Frischer Fattoush mit Baqleh – ein vertrauter Geschmack aus der syrisch Küche.

  • Tomaten
  • Gurke
  • Petersilie
  • frische Minze
  • optional etwas frischer Thymian
  • optional Radieschen
  • optional Frühlingszwiebeln
  • optional milder Weißkäse
  • Granatapfelkerne
  • geröstetes oder gebackenes Fladenbrot

Zutaten für das Dressing

  • Granatapfelkonzentrat
  • Olivenöl
  • frisch gepresster Zitronensaft
  • fein gehackte Zwiebel
  • Salz
  • etwas rotes Paprikapulver
  • eine kleine Prise Kreuzkümmel
  • optional etwas Sumach oder Weißkäse

Zubereitung

  1. Die Baqleh gründlich waschen und vorsichtig trocknen.
  2. Harte oder beschädigte Stängel entfernen. Die zarten Blätter und Stängel können verwendet werden.
  3. Tomaten und Gurke in grobe Stücke schneiden.
  4. Petersilie, Minze und nach Wunsch etwas frischen Thymian vorbereiten.
  5. Granatapfelkonzentrat, Olivenöl und Zitronensaft miteinander verrühren.
  6. Die fein gehackte Zwiebel sowie Salz, Paprikapulver, Kreuzkümmel und optional Sumach hinzufügen.
  7. Gemüse, Kräuter und Baqleh vorsichtig mit dem Dressing vermischen.
  8. Nach Wunsch etwas milden Weißkäse ergänzen.
  9. Den Salat mit Granatapfelkernen und knusprigem Fladenbrot servieren.

Das geröstete Brot sollte am besten erst kurz vor dem Servieren hinzugefügt werden. So bleibt es knusprig und nimmt trotzdem etwas von dem aromatischen Dressing auf.

Kleiner Tipp aus unserer Küche 

Die Portulakblätter werden bei uns traditionell mit den Händen gezupft und nicht mit einem Messer fein geschnitten.

So bleibt die Struktur der Blätter besser sichtbar und der Salat erhält sein rustikales, ursprüngliches Aussehen – genau so, wie wir ihn aus unserer Küche kennen.

Die zarten Stängel müssen nicht vollständig entfernt werden. Sie sind ebenfalls essbar und sorgen für einen angenehmen Biss. Sehr harte oder dicke Stängel können jedoch aussortiert werden.

Portulak sicher sammeln und vorbereiten

Wer Baqleh nicht kauft oder selbst anbaut, sondern in der Natur sammelt, sollte besonders vorsichtig sein.

Verwende die Pflanze nur, wenn du sie zweifelsfrei bestimmen kannst. Bei Unsicherheit sollte das Wildkraut nicht gegessen werden. Eine Pflanzen-App allein ist für eine sichere Bestimmung nicht immer ausreichend.

Sammle Portulak nicht:

  • direkt an stark befahrenen Straßen
  • auf Hundewiesen
  • an gespritzten Feldrändern
  • auf möglicherweise belasteten Böden
  • in Naturschutzgebieten
  • an Orten, an denen das Sammeln nicht erlaubt ist

Gekaufter, selbst angebauter oder sicher gesammelter Portulak sollte vor dem Verzehr sorgfältig kontrolliert und gründlich unter fließendem Wasser gewaschen werden.

Hinweis für Schwangere

Während der Schwangerschaft sollten rohe Salate, Gemüse und Kräuter besonders sorgfältig gewaschen werden. Erde, beschädigte Pflanzenteile und sichtbare Verunreinigungen müssen vollständig entfernt werden.

Wild gesammelter Portulak sollte nur verwendet werden, wenn:

  • die Pflanze sicher bestimmt wurde
  • der Standort unbelastet ist
  • keine Pflanzenschutzmittel verwendet wurden
  • die Blätter frisch und unbeschädigt sind
  • die Pflanze gründlich gereinigt wurde

Wer Nierenprobleme hat oder aus medizinischen Gründen auf oxalatreiche Lebensmittel achten muss, sollte den Verzehr größerer Mengen vorher ärztlich oder ernährungsmedizinisch abklären. Portulak kann – wie beispielsweise Spinat – Oxalsäure enthalten.

Auch hier gilt: Portulak kann eine abwechslungsreiche Ernährung ergänzen, ersetzt aber weder eine medizinische Beratung noch die in der Schwangerschaft individuell empfohlenen Nährstoffe und Nahrungsergänzungsmittel.

Mehr als nur ein Lebensmittel

Essen liefert nicht nur Energie und Nährstoffe. Es kann Erinnerungen bewahren, Menschen miteinander verbinden und ein Gefühl von Zuhause vermitteln.

Der Geschmack bestimmter Kräuter, die Art, wie Zutaten mit den Händen gezupft werden, oder der Duft eines vertrauten Dressings können uns für einen Moment an einen anderen Ort zurückbringen.

Vielleicht ist genau das das Besondere an Baqleh: Für manche ist sie eine Pflanze, die unbeachtet zwischen Steinen wächst. Für andere ist sie ein vertrauter Geschmack, eine Familiengeschichte und ein kleines Stück Kindheit.

Vielleicht schaust du beim nächsten Mal genauer hin 

Was in Deutschland häufig als Unkraut übersehen wird, ist in der syrischen Küche eine geschätzte Zutat.

Baqleh – بقلة – Portulak.

Eine kleine Pflanze mit saftigen Blättern, einem frischen Geschmack und einer langen kulinarischen Geschichte.

Manchmal müssen wir nur wissen, wonach wir suchen.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder ernährungsmedizinische Beratung.

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